Die Seele fühlt von Anfang an

Bereits ab dem Moment der Empfängnis beginnt eine einmalige Bindung zwischen dem Säugling und der Mutter. Der Körper der Mutter wird dem Kind ein Zuhause geben und ermöglicht seine Entwicklung. Mutter und Kind sind wie ein Körper und doch hat jeder seine eigene Individualität. Jedes Kind braucht die direkte und kontinuierliche Nähe der Mutter, von der es abhängig ist. 

Die Mutterliebe ist die entscheidende Bedingung für das Zustandekommen einer gesunden Beziehung. Sie ist einzig in ihrer Art, von unglaublicher Kraft. 

Die intuitive Fähigkeit der Mutter, mit dem Säugling in emotionalen Kontakt zu treten, stammt aus den Gedächtnisspuren der eigenen Säuglingszeit. Fehlten diesen Müttern selbst die notwendige mütterliche Zuwendung, können sie es nicht abrufen und weitergeben.

 

Ein Baby erkennt, ob es seiner Umwelt vertrauen kann oder nicht. Das wiederholte, zu frühe  „Weggeben“ eines Babys oder Kleinkindes ist traumatisierend. So wie Hunger, wenn er nicht gestillt wird, Schmerz auslöst, löst die physische Trennung von der Mutter Angst und Panik aus. Diese Angst ist so überwältigend, dass sie nach ersten Versuchen, sie auszudrücken, allmählich verstummt und betäubt werden muss. Sowohl Kinder als auch Mütter trennen sich auf diese Weise von ihrem instinktiven und fühlenden Wesen. Sie verdrängen die Angst, die Schuld und Scham, die eine solche Trennung auslöst. 

 

Das Berühren dieser Traumata kann vergrabene Ängste und Schmerzen hervorbringen, die in einem geschützten und heilenden Raum ihren Platz haben. Die Nähe zum fühlenden Wesen und dem inneren Kind ist auf diese Weise möglich. Wir können Verantwortung für uns selbst und den verletzten Teil in uns übernehmen. Dauerhafte Bindungen sind wieder möglich. Tibetan Pulsing & Trauma Arbeit ermöglichen eine bewusste Regression, die frühe Erlebnisse von Trennung und Isolation an die Oberfläche bringen und heilen können. Das Nervensystem hat an bestimmten Knotenpunkten „Narben“ hinterlassen, die sich durch die Kraft des Pulsschlags lösen und in das lebendige Da-Sein integriert werden können.

 

Warum ist es so schwer, eine traumatische Geschichte loszulassen?

 

Wir sind sowohl reflektierende Menschen als auch instinktbestimmte Tiere. 
Auf der einen Seite weigert sich das Ego (persönliches Ich), die ursprünglich traumatisierende Situation wieder zu erleben und die Geschichte damit loszulassen, weil das wie eine zweite Verletzung oder Todeserfahrung wäre. Der erste Schlag gegen unsere Existenz kam von dem traumatisierenden Ereignis. Die zweite Bedrohung unserer Existenz besteht in unserer Angst vor dem Wiedererleben der schmerzhaften Narben und Erinnerungen, die erst noch heilen müssen. (Bsp. Verlust eines Elternteils in der Kindheit: Angst vor Verlust des Partners)

 

Auf der anderen Seite sind wir biologisch darauf angelegt, alles loszuwerden, was den Wachstumsprozess behindert. Wir sind instinktiv so programmiert, dass wir unseren Prozess des Loslassens der Vergangenheit abschließen und etwas Neues beginnen können. Dies gehört zu dem nie endenden Weg der Evolution.

 

„Wenn man das Trauma von der Geschichte befreit, die der Geist dazu erzählt, dann verbleibt ein energetisches Phänomen von gebundener Kraft. Diese gebundene Kraft nimmt nicht mehr am evolutionären Aufstieg teil, steht diesem Menschen auf seinem inneren Weg nicht zur Verfügung und beschränkt entsprechend auch seine Intelligenz und somit seine Erkenntniskraft“ 

(OM C. Parkin aus: Intelligenz des Erwachens)

 

Die Fähigkeit loszulassen, scheint sich nur dann einzustellen, wenn wir den Widerstand des Egos verringern und die natürlichen biologischen Instinkte des Körpers mehr zur Wirkung kommen lassen.

Es ist unvermeidlich, dass der Heilungsprozess unseres Traumas uns zwingt, tiefer in unseren Körper und ins Nachdenken über unser Dasein weiterzugehen, als wir es sonst wagen würden. Jeder Überlebende eines Traumas trägt letztlich die Verantwortung dafür, die Vergangenheit loszulassen. Nur diese radikale Erfahrung des Loslassens kann den biologischen Prozess wiederherstellen.


Alle Menschen haben, gleich welcher Kultur oder Sprache eine angeborene Fähigkeit, ihre traumatischen Erfahrungen zu heilen. Wären wir nicht mit dieser genetischen Fähigkeit ausgestattet, wäre unsere Art kurz nach ihrer Entstehung ausgestorben. Trauma war selbst ein Teil des natürlichen evolutionären Prozesses unserer Art und traumatisierte Menschen haben zu dieser natürlichen Methode der Heilung, die genetisch in ihnen angelegt ist, Zugang. Es ist wichtig, bei der Trauma Heilung nicht zu vergessen, dass alle unsere körperlichen Systeme auf ein Ziel zusammenwirken: Während des Traumas schützen sie uns, nach dem Trauma entspannen sie uns und lassen uns wieder gesund werden. 

Festgehaltene Traumata haben einen starken Bezug zu chronischen Schmerzen. Es ist wichtig zu verstehen, dass der Körper während eines traumatischen Ereignisses automatisch in ein Überlebensprogramm geht, um sich zu schützen (durch Flucht, Kampf oder Erstarrung). 

Obwohl das traumatisierende Ereignis vorüber ist, verbleibt der Körper (das Nervensystem) in einem dauerhaften Überlebensmodus, solange der Prozess nicht vollständig abgeschlossen und losgelassen wurde. Unser denkendes Ich (Geist) speichert das Ereignis, hält es fest und projiziert es in eine mögliche Zukunft, die Angst macht. Dieser Stresspegel kann dauerhaft physische sowie emotionale Schmerzen verursachen. 


Sind wir bereit, Schmerz tieferer Schichten auftauchen zu lassen, erleben wir, vielleicht zum ersten Mal, eine bewusste Wandlung in ein größeres Herz der Liebe, das uns empfängt und uns hält. 

„Die faktische Geburt ist lediglich der Anfang der Geburt in einem weiteren Sinne. Vollständig geboren ist man paradoxerweise erst, wenn man ganz erwachsen ist, ganz gereift: nicht abhängig von den Eltern, sondern ganz auf eigenen Füßen, nicht geschützt vor der Umwelt durch irgendein Dazwischen, sondern ihr nackt ausgesetzt. Erst wenn dieser Zustand erreicht ist, hat sich die Geburt vollendet.“

 (Wolfgang Giegerich)

Jeder Mensch, der geboren wird, erlebt eine traumatische Situation. Es geht um Leben und Tod. Aus einer geborgenen Welt im Mutterleib, in der alles zur Verfügung stand, was gebraucht wurde, werden wir durch einen engen Kanal gezwängt, nachdem unsere Höhle unausweichlich zu klein geworden ist und erleben einen Moment des Todes, bevor wir dann ins Licht der Welt geboren werden und unseren ersten Schrei, unsere erste Bewegung tun.


Elvira Schneider ist HP für Homöopathie, Trauma- und Körperarbeit und arbeitet seit 30 Jahren mit Tibetan Pulsing, gibt Seminare und Ausbildungen. Sie verbindet auf einzigartige Weise Trauma Arbeit (Somatic Experiencing) mit der lösenden Energie- und Körperarbeit Tibetan Pulsing. Sie lebt und arbeitet im Modernen Kloster Gut Saunstorf in Mecklenburg Vorpommern. Sie gibt Seminare zu verschiedenen Themen an verschiedenen Orten in Deutschland und der Schweiz. 

Die Neuauflage ihres Buches: 

„Der Organkalender des Tibetan Pulsing – mit der Kraft des Pulsschlags die 24 inneren Organe harmonisieren“ ist im Schirner Verlag erschienen. Das Buch wurde vom Ank Hermes Verlag ins Niederländische übersetzt und ist dort im Frühjahr 2022 erschienen.


Aktuelles Seminar zum Thema: Die Seele fühlt von Anfang an – wie pränatale und frühkindliche Erlebnisse unsere Realität prägen
Tibetan Pulsing & Trauma Arbeit

Seminar vom 26.-30. Oktober 2022 im Seminar- und Retreathaus in der Göhrde

Weitere Infos dazu bitte anfordern unter:

info@heilpraxis-schneider.de

Die Neuauflage ihres Buches:
„Der Organkalender des Tibetan Pulsing – mit der Kraft des
Pulsschlags die 24 inneren Organe harmonisieren“
ist im Schirner Verlag erschienen. Das
Buch wurde vom Ank Hermes Verlag ins Niederländische übersetzt und ist dort im Frühjahr
2022 erschienen.
Aktuelles Seminar zum Thema: Die Seele fühlt von Anfang an –
wie pränatale und frühkindliche Erlebnisse unsere Realität prägen
Tibetan Pulsing & Trauma Arbeit
Seminar vom 26.-30. Oktober 2022 im Seminar- und Retreathaus in der Göhrde
Weitere Infos dazu bitte anfordern unter:
info@heilpraxis-schneider.de

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Kommentare: 2
  • #1

    Ute-Birgit (Montag, 12 September 2022 08:52)

    Dieser Ausführungen von Elvira berühren mich tief. Und weil sie mich berühren, fühle ich mich gemeint und gesehen. Ich habe an diesem Seminar vor drei Jahren teilgenommen. Ich war aufgeregt, gespannt, neugierig und ängstlich. Was wird dort geschehen? Was wird womöglich an die Oberfläche kommen? Endlich! Und doch ängstlich erwartet: wie gehe ich dann damit um? Das scheint eine wichtige Frage für viele zu sein. Und genau diese Angst lässt uns oftmals zögern, den Schritt zu wagen. Meine Erfahrung ist: gehen, drauf zugehen. Meine Erfahrung ist: ich bekomme das, was ich tragen kann. Und was ich zu tragen bereit bin. Das Seminar war eine Art Initiation. Wie eine Geburt. Elvira und Larissa, ihre Assistentin, waren allzeit Geburtshelferinnen – zärtlich, wärmend, haltend, bejahend. Stärkend, wenn Konsequentsein angesagt war. Denn beide müssen mitarbeiten: Die / der Gebärende und der Säugling. In diesem Seminar bin ich beides: Gebärende/r und Säugling. Ich konnte erleben – ERLEBEN -, wo die Schnittstellen meiner Traumata waren, und das Pulsen weichte die harte Konsistenz der damit verbundenen Blockaden auf. Ein Fließen begann. Es hält an bis heute.

  • #2

    Kristin Pohl (Sonntag, 18 September 2022 16:16)

    Hallo Elvira, dieses Thema spricht mich sehr an. Ist noch ein Platz für mich frei und was kostet es?
    Lieben Gruß von Kristin